Zivilcourage zeigen und nicht um des lieben Friedens wegen den Mund halten kann hilfreich sein
Man liest es überall, wir haben verlernt, uns zu streiten, Positionen auszutauschen oder unterschiedliche Positionen auszuhalten, ohne gleich mit einem angekratzten Ego dazustehen, gekränkt zu sein oder dem Konflikt aus dem Wege zu gehen und noch schlimmer den Kopf in den Sand zu stecken.
Oft beobachten wir, dass weniger Standpunkte ausgetauscht werden, sondern Emotionen, Einstellungen, Haltungen, die dann von dem eigentlichen Thema ablenken. Dabei sollten Debatten, das leidenschaftlichen Kämpfen und Vortragen von den eigenen Überzeugungen oder Sichtweisen, zum normalen Alltag dazugehören, sie machen das Miteinander lebhaft.
Gerade bei Startups sind Konflikte so hilfreich, um argumentieren zu lernen, mit Widerständen umzugehen und das Team besser kennenzulernen. Konflikte und Debatten können nicht nur das Team auf das nächste Level heben, sondern wollen auch für ein Kundengespräch geübt sein: Denn Argumente und Gegenargumente sind so wichtig, wenn Innovationen Kunden vorgestellt werden und man mit Gegenwind rechnen muss.
Doch wann geht ein Konflikt zu weit und wie erkennt man ihn überhaupt?
Konflikte sind Unvereinbarkeiten im Denken, Fühlen und Wahrnehmen sowie in Interessen, Absichten und Zielen von mindestens zwei Parteien, die in der Interaktion von mindestens einer Partei als Beeinträchtigung empfunden werden.
Nach Friedrich Glasl werden dabei grundsätzlich neun Eskalationsstufen unterschieden, die hier zusammengefasst in folgende Gruppen eingeteilt werden können:
Gruppe 1 „Win-Win“ mit Stufen 1 bis 3 , wobei es um eine Auseinandersetzung geht und den gemeinsamen Willen, das Problem zu lösen.
Gruppe 2: „Win-Lose“ mit den Stufen 4-6. Das Gegeneinander steht im Vordergrund, wobei es einen Gewinner und einen Verlierer gibt, es geht also zunehmend darum, Recht zu behalten und nicht zu verlieren. Diese Gruppe findet man im beruflichen Alltag häufig, auch wenn viele sich nicht eingestehen wollen, dass ein Konflikt vorliegt.
Gruppe 3: „Lose-Lose“ mit den Stufen 7-9. Hier geht es nur noch um die Schädigung des anderen, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass die Gegenseite auch geschädigt wird.
Konstruktives Streiten lernen kann man sehr gut in Win-Win Situationen, vor allem mit heiterer Gelassenheit sich mal die Positionen seines Gegenübers anhören und erklären lassen. Und am Ende stellt man vielleicht fest, dass die eigene Position nicht berechtigt war, sondern in Selbstüberschätzung oder Fehleinschätzung begründet lag. Oder dass alte Denk- und Verhaltensmuster oder Emotionen das eigentliche Problem dominierten.
Wenn es um Win-Lose Situationen geht, ist es oft hilfreich eine neutrale Dritte Person zu Rate zu ziehen, die als Mediator beide Parteien zu Wort kommen lässt und hilft, Klärungen herbeizuführen, die über Optionen schließlich zu fairen Verhandlungen führen können, wenn denn beide Parteien auch willens sind, sich auf eine Mediation zur Konfliktklärung einzulassen.
Die dritte Gruppe geht ans Eingemachte und wird mit Ausnahme von Stufe 7 in der Regel nicht mehr von Mediatoren bearbeitet. Hier besteht die Gefahr, dass rechtliche Grenzen zunehmend überschritten werden können. Wenn ein Konflikt sich auf diesen Ebenen austragen sollte, ist guter Rat für das Miteinander teuer. Aber im Zweifel sollte man sich von Menschen mit diesem Konfliktprofil trennen und Expertenrat zu Hilfe ziehen. Wer will schon in einem Arbeitsklima mit begrenzten Vernichtungsschlägen arbeiten. Im Zweifel frisst so ein Arbeitsklima viel zu viele Ressourcen.
Falls Sie/Ihr in einem festgefahrenen Konflikt steckt, diesen aber gerne bearbeiten möchtet, sprechen Sie/sprecht mich gerne an. Gerne stehe ich als Mediatorin zur Behandlung des Konflikts oder zu Konfliktmanagement-Methoden gemeinsam mit Ihnen/Euch zur Verfügung.
